„arbeitsscheu-abnormal-asozial“ – Kontinuitäten und Brüche sozialer Ausgrenzung

Veranstaltung und Film

Donnerstag, 2. Februar 2012
19 Uhr
Universität Lüneburg
Hörsaal 5
Scharnhorststraße – Lüneburg

Zu den weitgehend „vergessenen“ Verfolgten des Naziregimes gehört bis heute die Gruppe der so genannten Asozialen. Als Opfer des deutschen Faschismus wurden sie zu keiner Zeit anerkannt, sondern weiter verfolgt und diskriminiert. Gezeigt wird der Film „arbeitsscheu-abnormal-asozial“ von Andrea Behrendt, der die Geschichte des damals größten Arbeitshauses in Berlin dokumentiert und die Geschichte der so genannten Asozialen thematisiert.

Die Praxis der bereits in den deutschen Gründerjahren entstandenen Arbeitshäuser zeichnete sich durch Unterdrückungsmechanismen Einkommensarmer wie Stigmatisierung, Kontrolle, Verfolgung, Arbeitszwang und Inhaftierung aus.

Zwischen 1933 und 1945 wurden Menschen aufgrund von Vermutungen, Verdacht und Denunziation als „asozial“ abgestempelt. Sie wurden zunächst in Arbeitshäuser verbracht, später unter der Bezeichnung „Asoziale“ in Konzentrationslagern oder auch Heil- und Pflegestätten deportiert, mit Zwangsarbeit gequält bzw. umgebracht.

Da diese Verbrechen bis heute keine hinreichende Aufarbeitung fanden, greift die Zuschreibung „Asozialität“ als Kategorie sozialer Ausgrenzung bis heute. In der politischen Auseinandersetzung und dem voranschreitenden Sozialkahlschlag gewinnt das Stigma „asozial“ parallel zu gesellschaftlichen Ausgrenzungsmechanismen wieder an Bedeutung. Aspekte des weitgefächerten Themas betreffen Bettler und Wanderer, FürsorgeempfängerInnen, Mädchen und junge Frauen, Jugendliche, Homosexuelle, SexarbeiterInnen, Unangepasste, Mißliebige und Widerständige und Begriffe wie „Aktion ´Arbeitsscheu Reich´“, „Sexzwangsarbeit in Lagerbordellen“, „Justizaktion gegen Sicherheitsverwahrte“, „Asozialität“.

Mit einer Film- und Lesereise seit Oktober 2011 durch mehr als 10 Städte im deutschsprachigen Raum soll im Kontext der Erinnerung an die so genannten „Asozialen“ um Unterstützung für die Entstehung eines europäischen Ortes zum Erinnern und Nachdenken an die so genannten „Asozialen“ auf dem Areal des ehemaligen Arbeitshauses an der Rummelsburger Bucht in Berlin werben.

Eine Veranstaltung mit Anne Allex (Arbeitskreis „Marginalisierte – gestern und heute!“ und Herausgeberin des Buches „Ausgesteuert – ausgegrenzt … angeblich asozial“)

Eine gemeinsame Veranstaltung von:

Referat „Nachhaltige Öffentliche Aktionen“ (NOA)
des AStA der Universität Lüneburg
Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen
Rosa Luxemburg Club Lüneburg
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) -
Region Nord-Ost-Niedersachsen
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA),
Kreisvereinigung Lüneburg

Infos: http://www.vvn-bda-lg.de/docs/120202-a.htm
Flyer: http://www.vvn-bda-lg.de/docs/120202-a.pdf